- Choleriker
(zu viel Galle - aufbrausend)
- Sanguiniker
(zu viel Blut – heißblütig)
- Phlegmatiker
(zu viel Schleim – gemächlich)
- Melancholiker
(zu viel schwarze Galle - träge)
Nach Hippokrates
war das gesunde Gleichgewicht dieser Säfte Grundlage
für die Gesundheit von Körper und Seele.
Die Idee
des Gleichgewichts bestimmte auch die Vorstellung von Plato,
wonach Gesundheit die Folge der Einhaltung bestimmter Verhaltens-weisen
war, die er in drei „Tugenden“ zusammen fasst
- Selbstbeherrschung
- Tapferkeit
-
Weisheit
Aristoteles
knüpfte an Plato an und definierte die Tugend genauer
als das mittlere Maß zwischen zwei Extremen. So gilt
ihm die Tugend der Tapferkeit als das rechte Maß zwischen
den Extremen der „Feigheit“ und der „Tollkühnheit“.
Diese grundlegende Vorstellung der Harmonie, des Mittels zwischen
Zuviel und Zuwenig finden wir immer wieder, auf allen Kontinenten
der Erde.
Europäisches
Mittelalter (ca. 500 – 1600 n.Chr.)
Im Mittelalter wird die Vorstellung von Gesundheit zunehmend
vom religiösen Wertesystem bestimmt. Demnach sind Krankheit
und Gesundheit nie ganz abstrakt oder voneinander getrennt
aufzufassen, sondern im Zusammenhang des Ganzen, dem heil
des Menschen zu sehen. Vor allem aber setzte sich die Vorstellung
durch, dass die irdische Seite der Existenz weniger in den
Händen Gottes lag als in den Händen der Menschen
selbst. Sich aktiv um die eigene Gesundheit zu kümmern
war somit Teil der religiösen Pflicht.
Die Scholastik (die Herleitung von Wissen aus der „göttlichen
Vernunft“) wies daher in erster Linie der Gesundheitslehre,
und erst in zweiter Linie die Heilkunde als Aufgaben der Medizin
zu. Demnach wurde eine gesunde Lebensführung durch Einhaltung
sechs grundlegender Regeln erreicht.
- Der
richtige Umgang mit Licht und Luft
- Der
richtige Umgang mit Speise und Trank
- Ausgewogenheit
von Bewegung und Ruhe, Arbeit und Muße
- Der
richtige Rhythmus von Schlafen und Wachen
- Das
richtige Maß an Ausscheidungen und Absonderungen
- Der
richtige Umgang mit Emotionen, mit sich selbst und Anderen
Was
dabei jeweils unter „richtig“ und „nicht
richtig“ zu verstehen war, mag uns heute unverständlich
erscheinen, wenn wir z.B. an den exzessiven Gebrauch des Aderlasses
denken, der nicht selten die eigentliche Ursache für
Krankheitsbilder und sogar für den Tod des Erkrankten
war. Doch die eigentliche Vorstellung von Gesundheit ist auch
in der Scholastik von der Idee der Harmonie, des Gleichgewichts
zwischen den verschiedenen Elementen geprägt.
Neuzeit
(ca. 1600 – 1850)
Im Zeitalter der Aufklärung setzte man an diesen Regeln
zur rechten Lebensführung an. Das Ziel der Aufklärung
war es jedoch, mittels der Entwicklung der Vernunft sich von
Autoritäten und Traditionen zu befreien und die religiöse
Ableitung von Wissen durch eine wissenschaftliche zu ersetzen.
Die Natur stellte zwar alle Mittel zur Befriedigung der Grundbedürfnisse
zur Verfügung, doch der richtige Umgang mit diesen musste
und konnte gelehrt und gelernt werden. Daher lag für
das Zeitalter der Aufklärung in der „Erziehung“
auch in der Lebensweise der Schlüssel zu Gesundheit und
irdischem Glück. Die Anleitungen der Aufklärung
zur rechten Lebensführung lassen sich unterteilen in
die Künste:
-
Lange zu leben
- Gut
und richtig zu leben
- Schön
zu leben
Besonders
relevant war dabei der wissenschaftliche Zugang. Das optimale
Funktionieren des Körpers und der Sinne galt als Voraussetzung.
Entsprechend entwickelte man Leibesübungen vor allem
in Hinblick auf ihre Alltagsnützlichkeit, wie Tragen,
Hanteln, Stoßen, Werfen, Schwimmen, Balancieren etc..
Die Leistungen wurden gemessen, exakt mit Uhr und Metermaß
festgehalten, und die einzelnen Bewegungen der Übungen
wurden analysiert und gesondert geübt. Sowohl die moderne
Funktionsgymnastik, auch das vielgerühmte Pilates -Training,
sowie das generelle Verständnis eines präventiven
Gesundheitssports haben ihre Wurzeln in den Ideen der Aufklärung,
die ihre Grundvorstellung von Gesundheit an den Idealen der
Harmonie und des Gleichgewichts orientierte.
Moderne
(ab 1900 n.Chr.)
Die Industrialisierung und der Fortschritt der Technologien
und der Wissenschaften haben die Welt und das Welt- und Menschenbild
in sehr kurzem Zeitraum stark verändert. Der Leistungsgedanke
ist viel stärker in den Vordergrund gerückt, das
Funktionieren von Geist und Körper im Alltag der Arbeitsbeanspruchungen
oft an erste Stelle gerückt. Die moderne Arbeitswelt
hat dabei auch das Gesundheitsbild neugeprägt. Die Einführung
des Sozialversicherungsgesetzes Ende des 19. Jahrhunderts
in Deutschland (und anschließen in vielen Teilen der
Westlichen Welt) hatte u.a. zur Folge, dass „gesund“
mit arbeitsfähig und „krank“ mit nicht arbeitsfähig
identifiziert wurden. Diese Entwicklung führte nicht
nur zum vielgerühmten und berüchtigten „Krankenschein“,
sondern unterstützte auch die aus einem mechanistischen
Weltbild resultierende Entwicklung eines organmedizinischen
Denkens, wonach einzelne defekte Teile des Organismus wieder
„repariert“ werden müssten, um die Arbeitsfähigkeit
des Erkrankten wieder herzustellen.
Diese Art der Kurativmedizin führte schließlich
zu einer Definition der Gesundheit als einem „Schweigen
der Organe“, also als Abwesenheit von Krankheit.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts führten Veränderungen
in der Gesellschaft wie auch Neuerungen in der Wissenschaft
zu einer Relativierung dieses mechanistischen Gesundheitsbildes.
Nicht zu unterschätzen bei einer Neubewertung von Gesundheit
ist auch der Faktor Geld. Die durch die moderne Lebensführung
mitbedingten „Zivilisationskrankheiten“ (allen
voran Herzkrankheiten und Diabetes) verursachen schließlich
erhebliche Kosten im Krankenversicherungssystems.
Die
zeitgenössische Vorstellung von Gesundheit, wie sie sich
etwa in der Definition der WHO (der Weltgesundheitsorganisation)
widerspiegelt, wonach Gesundheit ein Zustand vollständigen
physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens ist, berücksichtigt
alle Faktoren, die Einfluss auf unseren Körper, unsere
Seele und unseren Geist haben können. Dieser Begriff
eines umfassenden Wohlbefindens ist heute besser bekannt in
seiner englischen Fassung: Wellness.
Ganzheitlicher
Gesundheitsbegriff
Die moderne, ganzheitliche Vorstellung von Gesundheit bzw.
Wellness sieht den Menschen unentwegt verschiedenen Einflüssen
ausgesetzt, die sowohl positive wie negative Einwirkungen
auf sein individuelles Befinden haben können. Das Individuum
bewegt sich (nach dem „Salutogenese-Modell“ von
Antonovsky, 1979) sozusagen ständig zwischen den Extremen
von „Krankheit“ und „Gesundheit“,
weil es permanent Risiko- und Schutzfaktoren ausgesetzt ist.
Diese Faktoren lassen sich einteilen in:
Ökologische.
biologische. psychologische & soziale Risiko-und Schutzfaktoren
Dieser
kurze Abriss einiger Vorstellungen über Gesundheit aus
der europäischen Geschichte zeigt, dass zu allen Zeiten
– wenn auch jeweils unterschiedlich ausgeprägt
– Gesundheit nicht nur körperlich, sondern auch
seelisch und sozial verstanden wurde. Und dass der Einzelne
– durch eine gesundheitsfördernde Lebensweise –
selbst positiven Einfluss auf sein Wohlbefinden ausüben
kann.
Eine Vorstellung, die auch in den Heiltraditionen anderer
Kulturen dominiert, dort sogar manchmal stärker ausgeprägt
ist, wie etwa in der indischen Ayurveda-Heilkunst oder in
der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dass gerade diese
beiden Systeme der Heilkunst im Wellness-Sektor so große
Resonanz finden, ist daher kein Zufall, sondern zurückzuführen
auf ihre große Nähe zu den Vorstellungen einer
ganzheitlichen Gesundheit, wie Sie dem modernen Wellness-
und Fitnessbegriff entsprechen
Wir
mögen heute andere Wörter verwenden, doch wenn wir
nach unserem heutigen Wissensstand die Basiselemente einer
gesunden Lebensführung aufführen, dann unterscheiden
sich diese kaum von denen unserer Vorfahren:
Ausgewogene
Ernährung (Mischkost)
- Bewegung -
Entspannung
Die richtige Mischung macht’s eben. Und das Gute daran
ist: diese drei Bereiche können Sie individuell beeinflussen
und gestalten - und somit positiv und wirksam zur Erhaltung
ihrer Gesundheit beitragen.
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Fitness
Der Fitnessbegriff baut auf dem Gesundheitsbegriff auf, geht
aber darüber hinaus. Im Zentrum des Fitnessbegriffes
steht die menschliche Leistungs-fähigkeit, und im Fitnessport
ist entsprechend die körperliche Leistungs-fähigkeit
die entscheidende Größe, Die körperliche Leistungsfähigkeit
wiederum ist grundlegend bestimmt durch die motorischen Fähigkeiten
Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit.
Die motorische Fähigkeit Schnelligkeit bleibt hier ausgespart,
weil sie eher sportartspezifisch zu sehen ist. Ein sinnvolles
Ziel des Trainings dieser motorischen Fähigkeiten ist
nicht nur die Steigerung ihrer jeweiligen Leistungsfähigkeit,
sondern auch die damit verbundene Steigerung der Funktionsreserven
des Organismus, sowie das präventive Entgegenwirken von
Fehlfunktionen, z.B. auf Grund einseitiger körperlicher
Belastungen im Beruf.
Fitness mit seinem generellen Ziel der Leistungssteigerung
geht somit zwar über den Gesundheitsbegriff hinaus, teilt
aber dennoch mit diesem das Ziel einer ganzheitlichen Stärkung
und Erhaltung der Funktionsweisen des Organismus. Fitness-
wie gesundheitsorientierter Freizeitsport unterscheiden sich
darin beide vom Hochleistungssport, in dem einzelne oder mehrere
Funktionsweisen des Organismus auch auf Kosten anderer Funktionsweisen
gesteigert werden, um maximale Leistungen zu bringen, in der
Regel mit dem Ziel verbunden, einen Wettkampf zu gewinnen.
Gerade diesen Konkurrenzcharakter, der positiv verstanden
den Hoch-leistungssport auszeichnet, sollten Sie aus ihrem
persönlichen gesund-heitsorientierten Fitnesstraining
heraus halten, weil er ihrem Ziel zuwiderläuft.
Zusammenfassend
können wir festhalten, dass Gesundheits- und Fitness-Sport
sich also weniger inhaltlich voneinander unterscheiden als
vielmehr in ihrer Intention. Der Gesundheitssport zielt auf
ein Minimalmaß der psychophysischen Leistungsfähigkeit,
während der Fitnesssport auf ein Optimalmaß derselben
zielt. Im Leistungs- und Hochleistungssport wiederum wird
auf ein Maximum spezifischer Leistungsfähigkeiten hin
trainiert.
„Fitness“
können wir daher definieren als die bewusst angestrebte
Weiterentwicklung der motorischen Fähigkeiten, erreicht
durch sportliches Training, gezielte Ernährung und gesunde
Lebensführung. Diesen drei Bereichen einer aktiven Gesundheitsfürsorge
darf hinsichtlich einer Erhaltung der Leistungsfähigkeit
der gleiche Wert beigemessen werden. Doch hinsichtlich der
Erhaltung und Stärkung der physischen Leistungsfähigkeit
spielt die regelmäßige Aktivierung des Muskelsystems
eine herausragende Rolle, da diese immer komplexe Anpassungs-prozesse
im gesamten Organismus auslöst. Die zielgerichtete Aus-lösung
und Steuerung von biologischen Anpassungsprozessen charakterisiert
das sportliche Training.
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Training
Was
versteht man genau unter „Training“?
Der Begriff des Trainings umfasst grundsätzlich jeden
Prozess, der das Ziel verfolgt, die körperliche Leistungsfähigkeit
einer Person zu ver-bessern.
Eine Verbesserung bedeutet in erster Linie eine zielgerichtete
Ver-änderung des Ist-Zustandes. Um einen Prozess der
Veränderung in Gang zu setzen, müssen bestimmte
Belastungsreize gesetzt werden. Der Organismus im Ist-Zustand
reagiert auf diese wiederholten Belastungs-reize mit Anpassungsprozessen.
Werden diese Anpassungsprozesse zielorientiert ausgelöst,
gesteuert und spezialisiert, dann kann man von „sportlichem
Training“ sprechen.
Sportliches
Training ist also ein komplexer Handlungsprozess, der durch
zielgerichtete, planmäßige und systematische Tätigkeiten
eine Steigerung der motorischen Leistungsfähigkeit anstrebt.
Um morphologische und funktionelle Anpassungsprozesse im Organismus
(und damit Leistungs-steigerung) auszulösen, müssen
Sie systematisch und gezielt Belastungsreize, setzen in der
Regel durch überschwellige Muskelspannungen.
Letzteres unterscheidet übrigens „Training“
von „Übung“. Die Wiederholung von Belastungsreizen
ohne morphologisch fassbare Ver-änderungen (z.B. „Einschleifen“
von Bewegungen) ist in dem Begriff „Übung“
zusammengefasst. Training hingegen ist immer charakterisiert
durch das Erzielen morphologischer Anpassungen im Organismus.
Ein
praktisches Beispiel aus dem Alltag für „Übung“
ist das Treppensteigen. Angenommen, Sie wohnen im vierten
Stock eines Hauses ohne Fahrstuhl. Das tägliche Rauf
und Runter hält als Übung ihre Bein- und Beckenmuskulatur
in Form, aber erhöht nicht ihre Leistungs-fähigkeit.
Wenn Sie jedoch beginnen regelmäßig, planmäßig
und systematisch mit einer zunehmenden Zahl von Ziegelsteinen
in einem Rucksack die Treppen hinauf und hinab zu steigen,
würde das wiederholte Belastungsreize in ihrer Bein-
und Beckenmuskulatur setzen, die darauf mit einem Anpassungsprozess
reagieren. Sie würden diese Muskulatur trainieren.
Ein
effizientes Fitnesstraining zeichnet sich deshalb immer dadurch
aus, dass seine Inhalte und Methoden nicht dem Zufall überlassen
werden. sondern folgende Kriterien bei der Trainingsplanung
berücksichtigt sind:
-
Zielgerichtet: alle Trainingsmaßnamen sind auf Ihr
Ziel, unter Berücksichtigung der individuellen
Voraussetzungen und Möglichkeiten ausgerichtet.
- Planmäßig:
alle Trainingsschritte und -Maßnahmen sind aufeinander
abgestimmt und strukturiert: Alle Trainingsinhalte werden
im voraus zeitlich geplant und festgelegt.
- Systematisch:
Alle Trainingsschritte bauen inhaltlich und zeitlich aufeinander
auf, werden kontrolliert und gesteuert.
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